Wir gestalten das Digital Health Ökosystem für NRW

Wir sprechen mit Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW

CEO
,,Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und professionelle Pflege muss die notwendige Sichtbarkeit erhalten. Nur so können wir eine gute pflegerische Versorgung sichern."

Sandra Postel

Präsidentin der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen

Über Sandra Postel

Mein Name ist Sandra Postel, ich bin 49 Jahre alt und seit Februar 2023 Präsidentin der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen. Ich bin ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin, Diplom-Berufspädagogin sowie Pflegewissenschaftlerin. Tätig war ich in unterschiedlichen Settings der Pflege im Krankenhaus und in der stationären Altenhilfe. Im Jahr 2008 übernahm ich die Stabsstelle Pflege, 2016 dann die Fachaufsicht Schulen und später die Leitung der Marienhaus Bildung. Seit Juni 2023 leite ich die Stabsstelle „Pflege- und Sozialpolitik" der Marienhaus Holding GmbH, einem Träger mit Gesundheits- und Sozialeinrichtungen in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. Von 2016 bis 2020 war ich zudem Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz und bin seit September 2018 Mitglied des Präsidiums der Bundespflegekammer.

Was beinhaltet die Rolle als Präsidentin, Frau Postel?

Als Präsidentin der Pflegekammer NRW vertrete ich die Interessen der rund 228.000 Mitglieder der Pflegekammer NRW - das sind alle in NRW lebenden und tätigen Pflegefachpersonen in NRW - vor der Politik und anderen Stakeholdern, wie zum Beispiel Gewerkschaften. Es ist wichtig, dass unser Berufsstand an Gesetzgebungsverfahren die Pflege betreffend beteiligt ist. Denn wer Pflege verantwortet, muss auch Pflege gestalten können. Darüber hinaus bemühe ich mich, die vielen heterogenen Berufsgruppen innerhalb der Pflegelandschaft in NRW miteinander zu vernetzen und einen guten Konsens finden. Denn die Pflegekammer NRW und auch mein ehrenamtliches Engagement fußt am Ende auf der demokratischen Legitimierung der Pflegenden in NRW.

Warum ist das Thema Pflege, ganz deutlich, auch ein politisches Thema? Warum darf es hier nicht aufhören und wohin muss es noch gehen?

Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und professionelle Pflege – seit 2004 übrigens vollständig als Heilberuf anerkannt – muss die notwendige Sichtbarkeit erhalten. Nur so können wir eine gute pflegerische Versorgung sichern. Durch die Pflegekammer haben wir erstmals auch die gesetzliche Legitimation, unseren Berufstand in allen gesundheitspolitischen Gremien in der nordrhein-westfälischen Landespolitik zu vertreten. Ohne diese politische Arbeit kann pflegerische Versorgung nicht zukunftsfähig gemacht werden. Und wir sehen das ja aktuell in Deutschland – und hierbei geht es nicht nur um den viel zitierten Pflegenotstand durch massiven Fachkräftemangel. Was vielen nicht klar ist: Die Pflege ist europäisches Schlusslicht, wenn es um Qualitätsentwicklung geht. Dazu kommt, dass das deutsche Gesundheitswesen deutlich teurer ist als in fast allen anderen Ländern.

Welche Potenziale sehen Sie in Digital Health Start-ups für die Pflege, aber auch welche Herausforderungen?

Neben der Arbeitsmigration sehe ich die Digitalisierung als sehr große Chance, die an vielen Stellen sichtbaren Probleme der Pflege zu lösen. Die Realität ist aber, dass viele bereits entwickelten digitalen Prozesse nicht unbedingt hilfreich sind für die komplexen Anforderungen in der Pflege. Und das, weil wir Pflegenden mit unserer Expertise bei der Entwicklung von Lösungen in der Regel nicht beteiligt werden. Ich frage mich auch, ob Unternehmen wirklich den langen Atem und das echte Interesse haben, die Prozesse in der Versorgung zu verstehen, so dass wir wirklich zu guten digitalen Lösungen kommen. Hierfür braucht es von beiden Seiten eine Offenheit für die jeweilige „Sprache des anderen“. Zu guter Letzt sehe ich eine große Chance in der Digitalisierung von behördlichen Prozessen. Es kann nicht sein, dass Anerkennungsverfahren ausländischer Pflegefachkräfte noch immer auf Papier durchgeführt werden. Gerade vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels gibt es hier dringenden Handlungsbedarf von Seiten der Landespolitik.

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